Montag, 5. Dezember 2016

#simplifyyourweihnachtsbäckerei

Ich glaube, ich habe ein Plätzchentrauma. Denke ich an Plätzchen, denke ich an meine Kindheit, als meine Oma spätestens am Wochenende vor dem ersten Advent mit dem Plätzchenbacken begonnen hat. Sie hatte ein festes Repertoire an Rezepten, die sie alle in großer Stückzahl buk. Natürlich waren diese Plätzchenrezepte nicht aus der Kategorie 'Einfach backen', nein, da wurde gebacken, gefüllt, verziert und bestreut. Spätestens am 2. Advent stapelten sich dann schon in den kühlen Ecken des Hauses die Dosen. Selbstredend wurden diese Dosen vor Weihnachten nicht wirklich angerührt (außer man schlich sich heimlich hin und stibitzte schon mal eins oder zwei...). Es gab die unterschiedlichsten Sorten, es war quasi für jeden Geschmack etwas dabei und wir Kinder hatten alle unsere Lieblingsplätzchen.
Sowohl in Bezug auf die Quantität als auch auf die Qualität wurde ich dadurch sehr geprägt. Als ich anfing selbst Plätzchen zu backen, liebte ich aufwändige Rezepte. Ich verbrachte den Großteil der Adventswochenenden backend, probierte neue, ausgefallene Sorten aus und sammelte über die Jahre einen Karton voller Rezepte. So besitze ich alle Plätzchen Extra-Hefte der Brigitte seit 2003. Dazu kommen einzelne entsprechende Ausgaben der Freundin, Für Sie und diverser anderer Magazine. Ergänzt werden die Hefte von einigen Büchern und einer Loseblattsammlung. (Und nein, ich finde das nicht übertrieben. Irgendwann, eines Tages, kommt der Moment, an dem ich 3000 Plätzchenrezepte parat haben muss und dann werde ich bereit sein! :D ) Jedenfalls hatte ich offenbar Zeit zum und ganz bestimmt großen Spaß am Plätzchenbacken und ich konnte regelmäßig an Weihnachten Teller um Teller damit füllen.

Tja, es hätte alles so schön weitergehen können, wenn ich nicht eines Tages Kinder bekommen hätte. Denn - sind wir mal ehrlich - Plätzchen backen mit Kindern ist das reinste Nervenvernichtungsunternehmen. Sofern einem auch nur ein bisschen was am achtsamen Umgang mit Lebensmitteln liegt, müsste man das Ganze eigentlich schon an dem Punkt abbrechen, an dem die lieben Kleinen beim Teigkneten helfen wollen. Wenn so eine Vierjährige dann auch noch fachmännisch und selbstbestimmt den Teig ausrollt (grundsätzlich so, dass die eine Seite transparentpapierähnlich wird, die andere Seite noch ca. 1,5cm hoch ist), aussticht (grundsätzlich erst mal mit der falschen Seite des Ausstechers unten, mit zu wenig Mehl und immer zwei Motive überlappend) und die ausgestochenen Plätzchen im Anschluss liebevoll von der Arbeitsfläche kratzt, um sie auf dem Backblech zu platzieren, ist das nichts, bei dem ich gelassen zuschauen kann. Zumal es bei mir ja so ist, dass es nicht nur die eine Vierjährige gibt, sondern auch noch die Zweijährige, die, sobald man sich umdreht, lustige 3D-Fingerprintmuster auf den bereits ausgestochenen Plätzchenrohlingen hinterlässt; außerdem sind da auch die größeren Geschwister, die natürlich ebenfalls helfen wollen und es ohne größere Umstände schaffen, sich in kürzester Zeit um das Nudelholz, die coolsten Ausstechförmchen (ja, das ist der Realität entnommen...) und den besten Arbeitsplatz am Küchentisch zu zanken. Währenddessen ist Herr Zuckowski auf der CD, die ich, naiv-optimistisch wie ich bin, anfangs aufgelegt hatte, um uns in Stimmung zu bringen, von der Weihnachtsbäckerei zu Gloria (Hört ihr wie die Engel singen) gelangt, und ja, ich höre wie die Engel singen. Zumindest bilde ich es mir ein. 
Diese Ausstechplätzchenbackaktionen mache ich in jeder Adventszeit ein Mal. Meist ziemlich am Anfang, wenn ich entweder vergessen verdrängt habe, wie es wirklich ist, oder mal wieder so naiv-optimistisch bin, dass ich mir sage: "Ach, sie sind doch jetzt schon wieder ein Jahr älter. Das wird dieses Jahr alles schon viel besser funktionieren...!". Tut es natürlich nicht. Deshalb mache ich das immer nur ein Mal. Und danach kommt das Easy-baking!

Neben dem Arsenal an ausgefallenen "ordentlichen" Plätzchenrezepten habe ich inzwischen einige einfache Rezepte im Repertoire, die zwar einfach in der Herstellung sind, aber trotzdem was hermachen. Denn die Sache ist ja, dass ich natürlich meine Kinder mit einbeziehen möchte, weil ich weiß, wie gern sie backen. Außerdem - und da kommt wieder mein Plätzchentrauma ins Spiel - geht es bei mir einfach nicht ohne Plätzchenbacken. Das Backen an sich hat ja mitunter schon so was schöpferisch-meditatives wie das Nähen (vorausgesetzt man hat Ruhe dazu), das mache ich einfach gern. Und an Weihnachten gehören für mich volle Plätzchenteller auch dazu. Also mache ich eben Abstriche an manchen Stellen, wie beispielsweise der Aufwändigkeit, der Detailverliebtheit oder der Außergewöhnlichkeit der Zutaten, und backe so einfach wie nötig, so sorgfältig und liebevoll wie möglich.

Ich habe zum Teil Rezepte, die ganz einfach sind, damit die Kinder dabei viel selbst machen können und ich trotzdem nicht im Minutentakt Schnappatmung bekommen muss. Das heißt, die meisten Teige werden dabei schlicht zu Kugeln oder Stangen gerollt oder ausgerollt und in Streifen geschnitten. Das schaffen eigentlich auch die Kleinsten meistens ganz gut.
Dann habe ich noch einige Rezepte, die ähnlich einfach umzusetzen sind, wie die oben Beschriebenen, aber vielleicht doch ein paar besondere Zutaten brauchen oder mit ein bisschen mehr als Puderzuckerstaub verziert werden. Das sind dann die Plätzchen, die ich allein backe, vormittags oder abends. Denn was mir, neben Geduld und Gelassenheit bei der Kinderweihnachtsbäckerei, fehlt ist Zeit, all die aufwändigen Rezepte umzusetzen. Und so wird es eben bis auf weiteres mehr so die einfachen und dennoch raffinierten Plätzchen bei uns geben. Könnte schlimmer sein.

Jedenfalls startet hiermit die Woche des #simplifyyourweihnachtsbäckerei. Ab morgen stelle ich euch jeden Tag ein paar der Rezepte vor, die ich so backe. Teilweise sind es Rezepte, die ich schon oft gebacken habe. Es werden aber auch Rezepte dabei sein, die ich erst vor kurzem gefunden und dieses Jahr zum ersten Mal ausprobiert habe. 
Nachdem sich bei Instagram eine große Nachfrage zu dieser Art von Rezepten zeigte, dachte ich mir, dass so eine Übersicht vielleicht ganz gut sei. Ich hoffe, euch gefällt die Reihe auch und ihr probiert das ein oder andere Rezept dann auch aus.
Falls ihr schon mal ein bisschen stöbern möchtet, empfehle ich euch mein Pinterestboard zum Thema. Dort sammle ich alle möglichen Plätzchenrezepte und werde versuchen auch alle Rezepte, die ich im Laufe der Woche hier zeige, dort zu verlinken, sofern ich sie nicht hier aufschreibe.

Macht's gut,
Catharina

Kommentare:

  1. Herrlich, Du sprichst mir aus dem Herzen. Bin schon sehr gespannt auf deine Rezepte. Was machst du denn jetzt mit deiner tollen Sammlung oder wartet die auf die Zeit, wenn die Kinder groß sind?

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  2. Herrlich, Du sprichst mir aus dem Herzen. Bin schon sehr gespannt auf deine Rezepte. Was machst du denn jetzt mit deiner tollen Sammlung oder wartet die auf die Zeit, wenn die Kinder groß sind?

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    1. Na klar, eines Tages werde ich wieder richtig backen! Es ist mir noch schleierhaft, wann das sein wird, aber der Tag wird kommen. :D
      Liebe Grüße!

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  3. Liebe Catharina, hier wollte ich letztens schon kommentieren, aber mein Bloglovin wollte auf dem Handy mich nicht schreiben lassen.... daher jetzt.
    Ich habe dieses Jahr auch ganz viele Rezepte getestet auf Kindertauglichkeit, weil ich mich im Kiga gemeldet hatte für Backen mit den Kindern. Letzten Endes haben wir uns doch für Ausstecher entschieden und das lief erstaunlich gut. Zwei mal haben wir zu zweit mit je 6 Kindern gebacken... von Teig mischen, Kneten, ausrollen, Ausstechen und Verzieren. ich war sehr erstaunt. zumal ich vorher mit Zwergi allein einen ähnlichen Kampf hatte: zu dünn, zu dick, zu weich und warm geknetet, Ausstecher falsch herum, aber in der Gruppe war es dann doch ganz anders.
    Ich hab mehrer getestet, wo man mit den Händen Kugeln formt und ein Smartie rein drückt... vielleicht poste ich dazu auch noch.
    Sonst schau mal bei Frau Liebstes, da hatte ich das Rezept her.
    Grüße sonnenblume

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    1. Danke für den Tipp. Da gehe ich mal gucken.
      Und ja, oft gehen Dinge in der Kindergruppe wunderbar, die zu Hause mit den Eltern irgendwie nicht funktionieren wollen.
      Liebe Grüße,
      Catharina

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