Donnerstag, 1. Dezember 2016

Ich will aber...

"Kinder geben einem ja so viel." Jetzt, wo gerade die Norovirus-Epidemie von der Grippewelle abgelöst wird, wissen die meisten Eltern um die tiefere Bedeutung dieses Satzes. :D Aber natürlich gibt es auch ernsthaft schöne Momente und Erlebnisse mit den Kindern, die einen wirklich bereichern.
Was ich von meinen Kindern definitiv gelernt habe, ist das "Ich will aber...!". Und ich meine nicht das "Ich will aber...!" des Zweijährigen, bei dem ein Überraschungsei an der Supermarktkasse die zentrale Rolle spielt. Sondern das "Ich will aber...!" der Vier- bis Achtjährigen, die damit einen Entschluss, eine Idee oder einen Wunsch umsetzen wollen. Meistens handelt es sich dabei um Dinge, die einem im ersten Moment idiotisch, wahnsinnig, unrealistisch also schlichtweg indiskutabel erscheinen.
Mein "Ach menno..."-Gesicht. (Das "Ich will aber...!"-Gesicht erspare ich euch... :D)
Im zweiten (oder auch dritten oder vierten) Moment entpuppen sich diese "Ich will aber...!"s oft als gar nicht so schlecht/schlimm/verwerflich oder stellen sich einfach als harmlos heraus. Sehr oft sogar entstehen daraus sogar schöne Erlebnisse, wenn man nämlich mal etwas macht, was man noch nie zuvor gemacht hat. Oder wenn man einfach mal etwas anders macht als sonst immer.
(Und ja, es gibt natürlich manches, das auch beim achten Mal drüber Nachdenken genauso idiotisch ist wie am Anfang und was man bitter bereut, wenn man sich doch hat dazu bequatschen lassen und was dann einer dieser "Hab ich's dir nicht gesagt...?"-Fälle ist. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte.)
Ich jedenfalls habe mir von dem "Ich will aber...!" ein bisschen was abgeschaut. Und ich meine damit jetzt nicht, dass ich mich bäuchlings auf den Boden werfe, wenn ein spontaner Kaufimpuls meinerseits nicht umgesetzt werden kann. Aber sich ab und zu ein "Ich will aber...!" oder auch ein "Warum eigentlich nicht...?" zuzugestehen, wenn man ansonsten eher nach Schema F verfährt, finde ich mittlerweile gar nicht schlecht. Zugegebenermaßen musste ich mich da erst ein bisschen herantasten. Und richtig gefährliche Sachen unternehme ich ja nun ohnehin nicht. Das Verwegenste, was ich in der letzten Zeit getan habe, war es wohl, diesen Rock zu nähen. (Jetzt bitte nicht lachen...) Und das kam so:
Den Anfang hatte das Shirt gemacht. Der Stoff ist eine Eigenproduktion von Hummelhonig, ein Albstoffe-Jaquard. Bei Stephie hatte ich den Stoff in hellgrau zuerst gesehen und bin dadurch auf Hummelhonig aufmerksam geworden. Eine wunderbare Seite voller Inspirationen: Schnittmuster, Tutorials und Freebies, fertige Bügelbilder, Stoffe und Bastelanleitungen. Geht unbedingt mal stöbern. Jedenfalls habe ich mich so ein bisschen in diese dunkelblauen CozyDots verknallt und bestellte kurzentschlossen. Genäht habe ich ein Jerseyshirt mit U-boot-Ausschnitt. Nachdem ich mein Kleid nach dem Schnitt so gern mag, wollte ich auch noch so ein Shirt haben.
Mein triumphales "Strike! Tschakka! Ätschbätsch! - Gesicht", wenn das "Ich will aber...!" zu einem guten Ende geführt hat.
Und dann, als das Shirt fertig war, machte ich mir Gedanken, wie ich es fotografieren wollte. Zuerst dachte ich an die Kombi mit einer Jeans, aber dann fand ich plötzlich einen Rock besser. Bei Mottenfrosch hatte ich kurz zuvor einen tollen leichten Jeans bestellt, ursprünglich für ein anderes Projekt. Aber dann fiel mir Frau Lilia von Hedi näht ein. Als der Schnitt im Sommer erschien, hatte ich ihn mir direkt gekauft, bis dahin aber nicht geschafft ihn zu nähen. Und plötzlich fand ich beide zusammen ideal: den schönen Jeans als lässigen Hüftrock. Aber würde das gehen? Also klar, natürlich würde es gehen, aber wäre es sinnvoll jetzt, wo schon fast Winter ist, einen Sommerrock zu nähen? Tatsächlich überlegte ich ein bisschen hin und her und an der Stelle kam dann das "Ich will aber...!" dazu, das mich diesen Sommerrock einfach nähen ließ. Das mir sagte: "Warum denn nicht? Mit einer warmen Strumpfhose und Stiefeln und Strümpfen geht das schon. Und irgendwann wird's auch wieder warm und dann trägst du ihn ohne Strumpfhose. Na los!" Et voilà! Da isser.


Am Ende bin ich also mal wieder sehr zufrieden mit meinen neu genähten Sachen. Das Shirt trägt sich toll und wird mich sicher durch den Winter begleiten.  Und der Rock darf definitiv an allen "Ich will aber...!"-Tagen ran und spätestens im Frühling wird er im Dauereinsatz sein. Denn ich mag ihn: seine Form, die Taschen, den Sitz. 

Wie ist das bei euch? Näht ihr nur vernünftig? Oder habt ihr auch so eure Trotzphasen?

Macht's gut,
Catharina

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Kommentare:

  1. Gut das du dich durchgesetzt hast! Ich finde Röcke sind die Kleidungsstücke, die man fast am besten in alle Jahreszeiten mitnehmen kann. Tolles Outfit!
    Liebe Grüße,
    Marina

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  2. Ich mag die Kombination sehr und sie steht dir echt toll. Ja, wir sollten öfters mal auf dieses Ich-will-aber-Ding unserer Kinder hören ;-)
    Glg Kathrin

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  3. Ja schau an, wie schön das geworden ist! Zu den Cozy Dots brauche ich ja nichts mehr zu sagen, wundervoll! Frau Lilia, ich liebe sie, ist dir toll gelungen, ein klasse Kombiteil! Und ich kenne diese Momente, des Trotzes auch, meist tatsächlich mehr bei mir, als beim Kind, denn manche Stoffe oder Schnitte müssen einfach sein und wenn man sich erst einmal eine Idee in den Kopf gesetzt hat, ist man kaum mehr davon abzubringen ;-)
    Liebe Grüße
    Stephie

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    1. Ja, genau so ist das. :-)
      Danke dir, Stephie!

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  4. JA - ich will aber - hat sich doch gelohnt und errinert mich an Frau Lilia, die ich will aber bei Makerist mit ín den Warenkorb gewandert ist und dann aus Mangel an Zeit - weil andere "ICH WILL ABER" lauter waren, noch ungenäht ist... Schön. Und klar - Winter? Heute Morgen waren es 7 Grad, also passt.

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    1. Danke, Ani. ja, manchmal muss man einfach mal machen.

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  5. Eine tolle Kombination, die Dir sehr gut steht. Das Oberteil ist super, der Stoff wunderschön und zusammen mit dem schlichten, aber trotzdem so raffinierten Rock ein echter Hingucker.
    Sehr schöne Fotos!
    Mit liebem Gruß
    Regina

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